Stationen

Station I - Geschaffen

Station II - Leiden

Station III - Erlösung

Station IV - Versöhnung

Station I - Geschaffen

Symbolik: 
vom Keimling zur reifen Ähre, Kreis

Bibelwort: 
„Herr, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit." (Psalm 90, 1-2)

Lage:
am Flurweg zwischen Reichardsroth und Gailshofen

Meditation:
Diese Station lädt Sie ein zum Staunen. 
Das Biotop und die Senke dieses Ortes mag ein Hinweis sein, dass Leben aus der Tiefe, aus dem Wasser kam. 
Spüren Sie dem Wunder des Lebens nach:
Es ist nicht selbstverständlich, dass es mich gibt.
Ich bin einmalig. Keiner hört, sieht, denkt und fühlt wie ich.
Zu selten mache ich mir das bewusst. Christen bekennen sich zu Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Werde ich Gott heute dafür danken, dass er mich wunderbar gemacht hat? Menschen jedenfalls haben das Leben nicht gemacht. Vor 230 Millionen Jahren ist der Muschelkalkstein entstanden, aus dem die vier Stationen des Glaubensweges gehauen sind. Der Stein ist älter als menschliches Leben auf dieser Erde. Ja, er war selbst Leben in Gestalt von Muscheltieren, die sich am Grund des germanischen Triasmeeres abgesetzt haben. Ein Beispiel ist die am Rand des unteren Blockes angebrachte Versteinerung eines „nautilus bidorsatus". Was ist mein kurzes Leben im Zusammenhang dieser unvorstellbaren Dimensionen der Schöpfung? Ich bin ein kleiner Teil eines großen, geordneten Ganzen, eingebunden in die lebenswichtigen Elemente Sonne (Feuer), Wasser, Erde und Luft. Ich lebe vom Brot, das die Erde hervorbringt.

Auf dem Stein entdecke ich die verschiedenen Pflanzenstadien vom Keimling bis zur Ähre. Der Kreis mag für die Kreisläufe in der Natur stehen, für das Werden und Vergehen, für einen Laib Brot oder für die Ewigkeit. Das Bibelwort verläuft denn auch von unten nach oben und erinnert an den, der über allem ist.

Ich will sensibel werden für das, was mich umgibt und für das, wovon ich lebe. Ich will mich freuen an dem Lufthauch, an den wärmenden Sonnenstrahlen, an den Regentropfen im Gesicht, an Pflanzen und Tieren. Behutsam will ich sein und schützen, was meinen Schutz braucht.

Geschichtliches:
Der Flurname dieser Gegend lautet „Armenruh". Todeskanditaten, die einst im Burggefängnis von Endsee eingesperrt waren, wurden auf einem bestimmten Weg zum Galgen nach Reichardsroth geführt und an bestimmten Stellen „beschrieen". So wurde der Grund ihrer Hinrichtung bekannt gemacht. Am Armenruhacker durften sie ein letztes Mal ausruhen, bevor sie im Galgenholz bei Reichardsroth aufgehängt wurden. In den Flurnamen „Arme Ruh„, Galgenäcker, Galgenwasen, Galgenholz und Galgenhöh lebt noch die Erinnerung, dass in Reichardsroth bis 1525 das Zentgericht tagte. Das letzte Bluturteil wurde 1400 in Reichardsroth gefällt und vollzogen. Von da an war das Landgericht Rothenburg für Kapitalverbrechen zuständig.

Station II - Leiden

Symbolik: 
Hostienmühle – der Christi Leib wird zermahlen und zum Leib Christi

Bibelwort: 
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen." (Psalm 22, 2)
So betete Jesus am Kreuz. 

Lage:
am Flurweg zwischen Ohrenbach und Oberscheckenbach

Meditation:
Diese Station lädt Sie ein zur Geduld. 
Topographisch liegt dieser Ort auf einer Ebene und mag andeuten: Leiden gibt es überall.
Es ist wie im richtigen Leben: Am Leiden kommt keiner vorbei. 
Vielleicht fällt Ihnen etwas ein, worunter Sie selbst leiden. Oder etwas Schlimmes, das andere gerade erleiden müssen.
Vielleicht gibt dieser Flurstein denen recht, die unglücklich eingestehen: Ich leide unter der langsam mahlenden Gerechtigkeit Gottes. Für andere wieder ist er vielleicht eine Bestätigung: Nur weil ich an Gott glaube, kann ich das unendliche Leid in der Welt überhaupt aushalten.
Der Sohn Gottes, der zwischen die Mühlräder seiner Zeit gekommen ist, zaubert das Leid nicht einfach weg, aber er lässt mich darin auch nicht umkommen. Gott bewahrt nicht vor dem Leid, aber er bewahrt im Leid. Das ist die Erfahrung vieler.
Sie haben sich auf den Weg gemacht. Spätestens jetzt können Sie spüren, dass im bewussten Erleben des Weges an sich schon eine Hoffnung steckt: Hier ist nicht die Endstation. Da kommen noch weitere Stationen: Erlösung und Versöhnung. Verzweiflung muss nicht das Letzte sein, wenn ich mich nach vorne ausrichte und an Gottes Zukunft glaube.

Geschichtliches:
Die Würde des Geschaffenen wird oft genug missachtet. Am 22. März 1525 haben sich Bauern aus 18 Dörfern der Landwehr in Ohrenbach zusammengetan, weil sie freie Menschen sein wollten. Als „Schwarze Schar von Ohrenbach" zogen sie gegen Rothenburg. Doch ihr Aufstand gegen Unterdrückung wurde vom Ansbacher Markgrafen Kasimir brutal niedergeschlagen. Zur Strafe ließ er das ganze Dorf niederbrennen und die Anführer grausam hinrichten. Ein Brunnen mit Bronzerelief von Werner Fichna vor dem Gemeindehaus erinnert an diese „Schwarze Schar von Ohrenbach".

Station III - Erlösung

Symbolik: 
Licht der Sonne und der Auferstehung, Brot und Wein

Bibelwort: 
„Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?" (Psalm 90, 1-2)

Lage:
auf Anhöhe am nördlichen Ortsrand von Großharbach

Meditation:
Diese Station lädt Sie ein zum Hoffen.
Nehmen Sie wahr, wie Sie hier herausgekommen sind! Der Blick weitet sich. An schönen Tagen kann man weit ins Württembergische gen Westen hinüberschauen und die Burg Brauneck erkennen. Im Nordosten sehen Sie die Ausläufer des Steigerwaldes: ganz vorn den Schwanberg, dann den Bullenheimer Berg, den Frankenberg mit dem Schloss und als Kegelberg den Hohenlandsberg.
Nach dem Rundumblick wende ich mich dem Stein neben dem mächtigen Birnbaum zu.
Mich spricht die offene Form dieses Steines an. Er strahlt Geborgenheit aus. Wie zwei Hände, die etwas umschließen, halten und beschützen. Ein Stein, an dem ich über mich selbst hinausschauen kann: Der Himmel kommt mit in den Blick. Wie der Stein so öffne ich mich selbst nach oben hin und werde empfänglich für den, der Heruntergekommen ist zu uns, der einer von uns war, der wirklich Mensch war und uns gezeigt hat, wie wir miteinander umgehen sollen. Der nicht am Kreuz gescheitert ist. Denn der Stein war weg. Das Grab offen. Ostern. Jesus bei Gott. Gott auf der Seite des Gekreuzigten. Mit Tränen hat er gesät. Aber es war nicht vergeblich!
Wenn ich an diesem Stein vorüberkomme, dann kann ich mich als Pilger erleben, als einer, der noch unterwegs ist, gestärkt durch Brot und Wein. Ich darf unterwegs sein im Namen Jesu. An diesem Stein kann mir das Ziel meines Unterwegsseins aufleuchten wie die aufgehende Sonne: mein Platz bei Jesus an Gottes Seite. Hier kann und soll der alte Ostergruß laut werden: Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! 

Geschichtliches:
Die Kelten haben in dieser Gegend ihre Spuren hinterlassen: keltische Oppida auf dem Schwanberg, dem Bullenheimer Berg und in Finsterlohr, die dreiteilige Viereckschanze im Buchholz. An manchen Stellen finden sich noch vorchristliche Grabhügel. Man vermutet, dass die Michaelskirche von Großharbach an einem alten Kultplatz errichtet wurde.
Seit 1430 ging die Rothenburger Landhege mitten durch Großharbach und trennte die rothenburgische Hälfte des Ortes von der markgräflich-ansbachischen. 
Der Landturm für den Hegereiter mit Zollstation steht noch mitten im Dorf (). Eine Bronzetafel erinnert daran, dass Christine von Schweden (1626-1689), die Tochter und Thronfolgerin des Schwedenkönigs und Schutzherrn der Protestanten Gustav Adolf, auf ihrer Reise nach Rom am 3.9.1655 an dieser Stelle das Rothenburger Gebiet betrat mit einem Gefolge von 300 Personen.

Station IV - Versöhnung

Symbolik: 
Gottes Geist in Gestalt einer Taube über den Gegensätzen unserer Welt

Bibelwort: 
„Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn."
(Psalm 143, 10)

Lage:
bei einem Gehölz am Flurweg (alte Straße) zwischen Kleinharbach und Langensteinach

Meditation:
Diese Station lädt Sie ein zu Frieden und Versöhnung. Etwas versteckt steht der Flurstein hier. Ein versöhnliches Gespräch braucht einen geschützten Ort.
Eine Taube kommt über unserer Welt herunter, Friedenstaube oder Symbol für Gottes Geist, den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit. Pfingsten. Gott kommt unseren schwachen Bemühungen zu Hilfe. Menschen unterschiedlicher Sprache verstehen sich und finden einen Weg zueinander. Wer sich den unteren Teil des Steines genauer betrachtet, der entdeckt manche Gegensätze: in der Mitte beinahe ein dörfliches Idyll, wo die Kirche nicht fehlt; an der westlichen Seite Hochhäuser und Wolkenkratzer einer säkularisierten Welt; und an der östlichen Seite Lehmhütten und Schirmakazien, darüber eine Pagode, ein buddhistischer Tempel. Unsere Welt ist pluralistisch und voller Interessensgegensätze und Machtkämpfe. Noch einmal lässt sich ahnen, dass Frieden und Versöhnung nicht einfach zu haben sind, im weltweiten Maßstab nicht und im persönlichen Umfeld nicht. An der Bereitschaft zur Versöhnung erweist sich wahrer Glaube und tiefe Einsicht. Denn in Streit und Ärger zu leben kostet mehr Kraft, als die Hand zur Versöhnung zu reichen.
„Der Mensch ist nie so schön, als wenn er um Verzeihung bittet oder selbst verzeiht.„ (Jean Paul)

Geschichtliches:
Dieser vierte Flurstein befindet sich am alten Kirchenweg von Kleinharbach nach Langensteinach. Wurde früher ein Toter nach Langensteinach überführt, hielt der Leichenzug dreimal für ein stilles Vaterunser.

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